Weihnachtswunder [2]

Die Erzählungen

Hier dreht es sich um ein Geschenk, für das sich der Schenkende schämt und mit dem er doch ein Herz erobert. Da dreht es sich um einen Vater-Sohn Konflikt. In einer anderen Geschichte um einen eiskalten Geschäftsmann, der Menschen um ihre Existenz betrügt und sich dann nach einer Autopanne im Schneesturm verirrt und um seine eigene Existenz bangen muss. In einer Erzählung dreht es sich um einen Menschen, der Schuld auf sich geladen hat und am Tiefpunkt seines Lebens angelangt ist. Und um eine Beziehung, die seit Jahren beendet scheint – und doch gerade in der weihnachtlichen Stille so sehr bohrt.

Allen Erzählungen gemeinsam ist, dass sie nicht nur gut enden. Sondern dass der „Plot“ dem Leben entnommen ist. Aber besonders auch, dass für das Happy-End der Geschichten dem Leben über die Schulter geschaut wurde.

Begonnen hat alles mit der Erzählung des Taxifahrers. Er hatte Familie und einen guten Job im Vertrieb einer Firma bis eines Tages seine heile Welt auseinanderbrach. Jetzt fährt er Taxi, um sich über Wasser zu halten. Er trinkt. Er will von niemandem mehr etwas wissen und hat bereits beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen, als er durch einen Zufall zu einem schweren Verkehrunfall kommt. Gerade, weil ihm alles gleichgültig ist schafft er es als einziger, zwei Menschen das Leben zu retten. In dieser Nacht wird aus dem Menschen, der eigentlich am Ende ist, ein Held, der sich wieder im Spiegel betrachten kann, und dessen Leben eine Wendung genommen hat.
Auch zu dieser Geschichte gibt es eine Vorlage aus dem realen Leben. Sie ist das Verarbeiten eines Ereignisses, das mich vor einigen Jahren gestreift hat. Ich hatte immer das Gefühl, diese Geschichte weitererzählen zu müssen, sie eines Tages zu Papier zu bringen.

Ich besuchte einige Schreibseminare bei Christiane Schlüter. Im Sommer 2010 hatte ich es dann endlich geschafft. Meine erste, fertige Erzählung. Ich war mir unsicher und stellte sie einem befreundeten Verleger, Bernhard Meuser, vor. Sein erster Kommentar: „Ich werde mir das ansehen, aber ich komme frühestens am Wochenende dazu. Und ich sage dir gleich, dass es genug Geschichtenerzähler gibt. Rechne nicht damit, dass du etwas veröffentlichen kannst. Der Markt ist voll mit guten Leuten. Ich werde es lesen, aber ich werde dir auch ein klares Feedback geben.“
Nach drei Wochen hatte ich immer noch nichts von ihm gehört. Meine Interpretation war, dass der Text noch schlechter als erwartet war, und er mich mit seiner Rückmeldung nicht kränken wollte. Während der Zeit der Frankfurter Buchmesse, hörte ich in der Nacht zum Freitag mein Handy piepsen. Ich sah auf das nachleuchtende Display auf meinem Nachttisch und las die Nachricht Bernhard Meusers: „Junge, du hast Talent!“.

Als ich am kommenden Morgen nach Frankfurt fuhr, rief er mich an. Ich bekam noch am gleichen Tag die Zusage für einen Vertrag mit der Bitte, zwei weitere, bereits geplante Erzählungen für das erste Buch „Wahre Weihnachtswunder“ zu schreiben.

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Georg Lehmacher 2012
mit seinem zweiten Weihnachtsbuch
Stille Weihnachtswunder“