Schneller als der Tod erlaubt [Fortsetzung]

Was mich bewegt hat, dieses Buch zu schreiben

Was ich in den unzähligen Diensten erlebt habe, hat mich verändert. Es hat mir geholfen, mit Leid (anders) umzugehen. Es hat mir Angst gemacht, es hat mich depressiv gemacht und am Ende hat die Auseinandersetzung mit dem, was ich erlebt habe, mir geholfen, meine Angst zu überwinden, zu erkennen, welches Glück ich in meinem Leben hatte und habe.

Und es hat dazu beigetragen, meinen eigenen Weg zu finden, zu erkennen, dass niemand anderes für den Sinn meines Lebens verantwortlich ist, als immer nur ich selbst, und dass dieser Sinn die Voraussetzung dafür ist, dass ich glücklich sein kann und die Augen öffne, um das Glück zu erkennen.

Dabei geht es mir, wie jedem anderen Menschen auch: Es gelingt mir nicht an jedem Tag gleich gut. Aber auch durch all das, was ich erlebt habe und durch die Menschen, denen ich begegnet bin und von denen ich so viel gelernt habe, doch jeden Tag ein bisschen besser.

Etwas davon wollte ich schon immer an andere weitergeben. Nicht vor allem meine Erkenntnisse zum Glück. Schon gar nicht meinen Weg oder meine Ziele. Aber das, was ich erlebt habe, und was meine Sichtweise geprägt hat.

Dazu gehören Dinge, die sehr schlimm sind. Da lernt man in seiner Ausbildung, wie man einen Menschen reanimiert. Aber was man einem Kind sagen kann, das gerade zusehen musste, wie der eigene Vater vor seinen Augen getötet wurde, das kann einem niemand wirklich beibringen. Da bereitet man sich darauf vor, dass man einem Menschen begegnet, der gerade gestorben ist, aber wie es ist, wenn man diesen Menschen kennengelernt hat und ihm noch ein paar Minuten vorher begegnet ist, und man seiner Aufgabe zu helfen nicht gerecht werden kann, weil es dazu keine Möglichkeit mehr gibt, darauf kann man einen Helfer nur bedingt vorbereiten. Das Leid begegnet einem immer wieder neu, es hat immer wieder eine andere Farbe. Und so oft man denkt, man habe es überwunden, so schwer kann es einen doch wieder aufs Neue treffen. Leben und Glück bedeutet auch Leid überwinden: und das ist immer wieder harte Arbeit. Arbeit, von der ich glaube, dass wir sie anpacken sollten. Vor allem auch immer wieder gemeinsam.

Dem Leid gegenüber stehen aber auch immer wieder Erlebnisse unglaublichen Glücks. Wenn man es schafft, einem Menschen zu helfen. Da sind Begegnungen mit Gleichgesinnten. Da sind Erlebnisse, in denen man mit Kollegen aneinander gerät, sich reibt wenn es darum geht, das bestmögliche für die zu tun, denen wir helfen, Erinnerungen an Menschen, die nicht immer einfach sind, die man oft in der Konfrontation noch besser kennen lernt, um sie danach umso mehr zu schätzen. Da sind manchmal skurrile Erlebnisse, wenn man auf ein dramatisches Geschehen eingestellt ist, und man stattdessen kleinen menschlichen Ereignissen und Schwächen begegnet. Da sind immer wieder intensive Begegnungen mit Menschen aus allen Lebensbereichen, auf die man nicht vorbereitet ist, und die mein Leben bereichert haben.

All das bietet Denkanstöße, die mich bewegt haben und noch bewegen, und die ich mit anderen teilen wollte – auch mit denen, die den Rettungsdienst nur von außen kennen. Mit Unbeteiligten, mit Patienten, aber auch mit Angehörigen von Rettungsdienstmitarbeitern, die sich oft nicht vorstellen können, warum dieser Aufgabenbereich einen Menschen so fesseln kann.

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